Haardorf und Mühlham

Gefiederter Schmarotzer

Osterhofen 9. Juni 2018 – Deggendorfer Zeitung

Der Kuckuck mit all seinen Facetten und Eigenheiten

Haardorf. Wer hat denn im Frühjahr einen Kuckuck gehört? Wegen zweier Eigenheiten ist der Kuckuck sprichwörtlich geworden: sein charakteristischer Balzruf – eine kleine Terz – und seine brutschmarotzende Lebensweise. Eine Redewendung besagt, man solle schnell das Portemonnaie schütteln, damit das ganze Jahr über nicht das Geld ausgeht.

In vielen Kinderliedern begegnet uns der Kuckuck: „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“, „Der Kuckuck und der Esel“ oder „Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“. Gerne kaufen sich Urlauber im Schwarzwald eine Kuckucksuhr. Umgangssprachlich wird die gerichtliche Pfändungsmarke „Kuckuck“ genannt.

Seit dem 16. Jahrhundert wird das Wort „Kuckuck“ als Umschreibung für „Teufel“ verwendet. In vielen Ausdrücken begegnet uns dies noch: „Scher dich zum Kuckuck“ oder „Hol’s der Kuckuck“. Außerehelich gezeugte Kinder werden umgangssprachlich „Kuckuckskinder“ genannt. Sozusagen ein Kuckucksei legen, bedeutet, jemandem anderen etwas unterzuschieben.

Wir kennen den Kuckuck als Brutparasit. Er legt seine Eier in fremde Nester und überlässt die Aufzucht des anspruchsvollen Einzelkindes den Wirtsvögeln. Das Ei ist der Größe und Farbe Vögeln wie Teichrohrsängern, Grasmücken, Rotkehlchen oder Zaunkönigen angepasst. Junge Kuckucke werfen unerbittlich andere Eier oder Jungvögel aus dem Nest. Um gefüttert zu werden, reißt der Jungkuckuck seinen Schnabel weit auf. Die Stiefeltern sehen einen orangeroten Rachen, der wiederum Reiz zur Fütterung ist. Schnell wachsen die Jungvögel heran, nach zwei Wochen verlassen sie das Nest und sind schon nach drei bis vier Wochen selbständig.

Im Garten von Konrad Moser am Haardorfer Mühlbach konnte eine zierlich kleine Bachstelze fotografiert werden, wie diese ihr schmarotzendes Kuckucks-Riesenbaby füttert. sr 

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