Haardorf und Mühlham

Kreuz und quer durch Ostbayern

Osterhofen 21. Juli 2018 – Deggendorfer Zeitung

Auf Pilgerschaft: Pfarrei beherbergte junge Firmlinge aus Berlin im Gemeindezentrum

Haardorf. Die Pfarrei hat für eine Nacht ihr Gemeindezentrum „Alte Schule“ geöffnet, um Jugendlichen aus Pfarrei St. Bonifatius in Berlin-Kreuzberg mit ihren Begleitpersonen ein Quartier zu geben. Gekommen waren Firmlinge mit ihrem Pfarrer Oliver Cornelius, die zehn Tage auf Pilgerschaft in Bayern sind. Sie sind kreuz und quer in Ostbayern unterwegs.

Ihr Weg führt sie von Wallerfing kommend über Haardorf, Pörndorf, Bad Höhenstadt, den Inn entlang bis nach Altötting. Kirchenpfleger Johann Weigl, der das Jugendheim aufsperrte, und Pfarrer Christian Altmannsperger hießen die Jugendlichen willkommen. Es wurde ein Fahrdienst zu den Einkaufsmärkten in Osterhofen organisiert, um dort Essen und Getränke einzukaufen. In der Küche wurde geschnippelt und gekocht; der alte Schulsaal war das Nachtquartier.

Pfarrer Cornelius berichtete von der Situation der katholischen Kirche in Berlin, speziell von seiner Pfarrei, die etwa 8500 Seelen hat. Es gäbe 40 Firmlinge, aber nur elf haben sich zur Firmung angemeldet und haben sich auf Pilgerschaft aufgemacht. Gefirmt werde im Alter von 15 bzw. 16 Jahren. Dass sich nicht alle firmen lassen, hänge sehr von der Entchristlichung und Kirchenferne der Menschen ab, aber auch vom Firmalter. Die Jugendlichen seien in diesem Alter vom Mittleren Schulabschluss gefordert, was oft Priorität habe. In Berlin seien nur zehn Prozent der Bevölkerung katholisch, im früheren Ostberlin nur zwei Prozent.

Pfarrer Cornelius erzählte, dass er sich mit Firmlingen schon zum vierten Mal auf Pilgerschaft begebe, davon gehe er schon zum zweiten Mal nach Altötting. „Pilgern bietet sich in Bayern hervorragend an. Die Kirchen sind geöffnet, am Wegesrand stehen Marterl und Wegkreuze und wir sind in der Natur.“ In Brandenburg gebe es keine Wallfahrtsorte. Es sei eine etwas andere Firmvorbereitung. „Die Firmung bestärkt uns im Christsein und in der Fähigkeit, einen eigenen Standpunkt in einer doch manchmal verwirrenden Welt zu finden. Aber Gott will keine willenlosen Automaten. Er lockt und fordert den Einzelnen heraus, nötigt und zwingt aber niemanden. Sein Geist ist der Geist der Freiheit. Man möge fragend und suchend durch das Leben gehen.“

Die elf Firmlinge aus Berlin haben sich laut Pfarrer Cornelius bewusst entschieden, den Geist Gottes zu empfangen, auch wenn der Weg, die einzelnen Etappen, oft beschwerlich ist. Etwa 20 Kilometer sind es von einem Ort zum nächsten Ziel. Da kommt es schon vor, dass man schwere Füße und Blasen bekommt. Auch ein Stich einer Mücke kann schmerzhaft sein, ihre persönliche Ausrüstung müssen die Jugendlichen auf dem Rücken selbst tragen.

Die Firmlinge sind stolz, dass ihnen Pfarrer Altmannsperger in ihrem Pilgerbuch mit Kirchensiegel und Unterschrift den erfolgreichen Pilgerabschnitt bestätigt. Den Abschluss dieser Pilgerschaft bildete ein Gottesdienst in der Gnadenkapelle des Marienwallfahrtsortes Altötting. sr 

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