Haardorf und Mühlham

Osterhofen und Umgebung – Donau-/Osterhofener Anzeiger – Mo., 17.8.2020

Jesus ist das Heilkraut der Seele

Segnung der Kräuterbuschen an Maria Himmelfahrt –

Frauenbund übernimmt Sammeln und Binden

Haardorf. (rs) Einen Tag vor dem Hochfest Mariä Himmelfahrt sammelten Frauen des Frauenbundes Kräuter und Blumen in Hausgärten und auf umliegenden Wiesen und Feldern. Im Hof von Maria Oberleitner banden sie daraus die Kräuterbuschen. Dabei verwendeten sie Königskerze, Wegwarte, Pfefferminze, Thymian, Sonnenblume, Eibisch, Stechapfel, Ringelblume, Goldrute, Liebstöckl, Kornblumen, Johanniskraut und vieles mehr. Als Symbol für Maria werden häufig auch Rosen und Getreideähren in die Kräuterbuschen hineingebunden. Sieben, neun, zwölf, 24 oder 99 verschiedene Kräuter gehören in einen Buschen, wobei die Zahl sieben für die Schöpfungstage und zwölf für die Apostel beziehungsweise die Stämme Israels steht. Die verschiedenen Kräuter ergeben einen farbenprächtigen, würzig duftenden Strauch. Eine gebundene Winterapotheke Theoretisch sind diese Buschen eine Art Winterapotheke. Die Blütenpflanzen helfen gegen Grippe, Rheuma, Verdauungsproblemen, sie beruhigen und stehen für Liebe und Harmonie. Seit dem neunten Jahrhundert gibt es den Brauch des Kräuterbuschenbindens in der römisch-katholischen Kirche zum Fest Mariä Himmelfahrt. Die fertigen Buschen legten die Frauen in Körben vor dem Altar ab. Pfarrvikar Pater Kuriakose ging in der Statio auf die Heilkraft der Kräuter ein. Eine große Zahl an Kräutern wird in der Küche verwendet, um Speisen schmackhaft zu machen. Manche werden auch als Heilpflanzen gegen allerlei körperliche Beschwerden und Krankheiten eingesetzt. „Beinahe gegen alles, so schein es, ist ein Kraut gewachsen. Nur gegen eines haben wir kein einziges Heilkraut, gegen den Tod. Und doch gibt es etwas, das auch hier Heilung bringt. Zwar nicht körperlich, aber für unsere Seele. Das ist der Heiland“, so Pater Kuriakose. Das Wort Heiland birgt „heilen“ In dem Wort Heiland verberge sich das Wort heilen. „Nehmen wir also getrost Jesus als Heilkraut für unseren Tod.“ Anschließend segnete Pater Kuriakose die Kräuterbuschen und besprengte diese mit Weihwasser. Nach dem Gottesdienst waren die Kräuterbuschen schnell an die Gottesdienstbesucher verkauft. Sie werden zuhause an einem luftigen Ort getrocknet und dann im Haus im Herrgottswinkel oder wie früher im Stall aufgehängt. Um vor Blitz und Unglück zu schützen, war es Brauch, getrocknete Pflanzenteile bei Unwetter oder Stürmen im Feuer zu verbrennen.

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