Haardorf und Mühlham

Millioneninvestition in Speichertechnik

Quelle: Mediengruppe Attenkofer, Ausgabe Donau-Anzeiger (Osterhofen und Umgebung) vom Freitag, 22.05.2026. Autorin Angelika Gabor

Modernisierung der Biogasanlage in Haardorf – Positive Stellungnahme vom Bauausschuss

Die Biogasanlage von Stefan Weigl in Haardorf wird fit für die Zukunft gemacht. Die Umbauarbeiten haben bereits begonnen. Foto: Rolf Schwinger

Von Angelika Gabor

Osterhofen. Die Energiewende verändert die Anforderungen an die Energieversorgung in Deutschland grundlegend – und damit auch die Rolle der Biogasanlagen. Während Photovoltaik und Windkraft heute große Mengen erneuerbaren Strom erzeugen, bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: die Versorgungssicherheit in Zeiten ohne Sonne und Wind. Genau hier könnten Biogasanlagen künftig eine entscheidende Rolle übernehmen. Auch Landwirt Stefan Weigl aus Haardorf stellt deshalb seine Biogasanlage für die Zukunft neu auf. Mit einer umfassenden Modernisierung und Investitionen in Millionenhöhe soll die Anlage künftig flexibler arbeiten und noch stärker zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. Gleichzeitig bleibt sie ein wichtiger Garant für die Nahwärmeversorgung im Ort.

Als Nahwärmeversorger Pionier der Energiewende

Stefan Weigl war seiner Zeit weit voraus. Lange bevor die Energiewende bundesweit zum großen Thema wurde, setzte der Haardorfer Landwirt bereits auf erneuerbare Energien. Seit inzwischen 14 Jahren betreibt er mit der Abwärme seiner Biogasanlage ein Nahwärmenetz, an das rund 100 Häuser in Haardorf angeschlossen sind. Damit wurde die Anlage zu einem wichtigen Bestandteil der örtlichen Infrastruktur. Zahlreiche Haushalte verlassen sich seither auf die zuverlässige Wärmeversorgung aus der Biogasanlage. „Meine Nahwärmekunden müssen sich keine Gedanken machen, dass es Einschränkungen bei der Belieferung gibt“, versichert Stefan Weigl im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit dem starken Ausbau der Photovoltaik gewinnt die Frage nach der Netzstabilität zunehmend an Bedeutung. Gerade in Osterhofen wird mittlerweile durch unzählige Photovoltaikanlagen tagsüber viel Strom erzeugt. Fehlen jedoch ausreichende Speichermöglichkeiten, muss besonders in den Abendstunden oder während sogenannter Dunkelflauten – also Zeiten ohne Sonne und Wind – auf andere Energiequellen zurückgegriffen werden. Biogasanlagen könnten dabei künftig eine zentrale Rolle spielen. Bislang liefen viele Anlagen jedoch im Dauerbetrieb – „Vollgas oder gar nicht“, wie Bauamtsleiter Christian Moosbauer dem Bauausschuss verdeutlichte. Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen verlangen nun deutlich mehr Flexibilität. Um auch künftig wirtschaftlich arbeiten und eine Anschlussvergütung für weitere zwölf Jahre erhalten zu können, musste sich Stefan Weigl an die Vorgaben des EEG sowie des neuen Biomassegesetzes anpassen. Künftig soll die Anlage flexibel Strom liefern – genau dann, wenn im Netz Bedarf besteht und Wind- oder Sonnenstrom fehlen. Herzstück der Modernisierung ist eine deutlich erweiterte Speicher- und Kraftwerkstechnik – eine Umrüstung auf eine Leistung von 2.840 Kilowatt elektrisch und 2.784 Kilowatt thermisch. In den neuen Gasspeichern können künftig rund 10.500 Kubikmeter Biogas zwischengespeichert werden. Dadurch ist es möglich, die eigentliche Biogasanlage bis zu 44 Stunden abzuschalten, wenn kein zusätzlicher Strom benötigt wird. Das gespeicherte Gas wird anschließend gezielt eingesetzt, um mit einem neuen leistungsstarken Blockheizkraftwerk Strom zu erzeugen. Durch diese flexible Fahrweise kann die Anlage künftig genau dann Strom produzieren, wenn dieser im Netz tatsächlich gebraucht wird – ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit der Energiewende.

Umfangreiche Baumaßnahmen geplant

Wie Bauamtsleiter Christian Moosbauer den Mitgliedern des Bauausschusses erläuterte, sind für die Modernisierung umfangreiche bauliche Veränderungen notwendig. Geplant ist unter anderem der Rückbau der bisherigen Blockheizkraftwerke (BHKW) eins und zwei sowie der Rückbau des bisherigen Gasspeichers im ersten Obergeschoss des BHKW-Gebäudes eins. Errichtet werden ein neues Blockheizkraftwerksgebäude, eine Gasaufbereitung sowie ein Warmwasser- und Gasspeicher über dem Nachgärer zwei und Gärrestlager eins. Die neuen Gasspeicher werden dabei nicht höher als die bisherigen, versicherte der Bauamtsleiter. Auch die bestehende Fackelanlage muss zu einer vollautomatischen Fackel umgebaut werden. Vorgesehen ist außerdem die Aufstellung eines dieselbetriebenen Notstromaggregats in einer Schallbox. Ergänzt wird das Vorhaben durch ein Materiallager für mineralisches Schüttgut und einige Ergänzungen zur bestehenden Anlage. Der Brandschutznachweis ist erbracht, der Löschwasserbedarf erhöht sich laut Moosbauer nicht. Der Schallschutzbericht zeigt, dass die zulässigen Richtwerte eingehalten werden. Erforderlich werden Eingrünungs- und Ausgleichsmaßnahmen.

Nahwärmeversorgung bleibt gesichert

Die neuen technischen Einrichtungen ermöglichen es künftig, die Anlage zeitweise komplett herunterzufahren, wenn kein Strombedarf besteht. Gleichzeitig sorgt ein neuer Wärmespeicher dafür, dass die Nahwärmeversorgung das gesamte Jahr über zuverlässig aufrechterhalten werden kann. Gerade für die angeschlossenen Haushalte ist dies ein entscheidender Punkt. Denn obwohl die Stromproduktion künftig flexibler erfolgt, soll die Wärmeversorgung weiterhin ohne Unterbrechung funktionieren. Für die geplanten Maßnahmen war auch eine Stellungnahme des Bauausschusses notwendig. Das gemeindliche Einvernehmen wurde dabei ohne Einschränkungen erteilt. Die Erschließung gilt als gesichert. Auch seitens der Stadtwerke Osterhofen bestehen laut Verwaltung keine Bedenken hinsichtlich der Abwasserentsorgung. Die Wasserversorgung kann entweder über den bestehenden Anschluss der Hofstelle oder alternativ über einen neuen Wasseranschluss nach Abschluss einer Sondervereinbarung erfolgen. Für Bauamtsleiter Christian Moosbauer und den Bauausschuss steht fest, dass Biogasanlagen auch künftig ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende bleiben werden. Die Anlage von Stefan Weigl sichere nicht nur die Nahwärmeversorgung in Haardorf, sondern könne künftig auch einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes leisten. Mit der geplanten Modernisierung wird die Biogasanlage in Haardorf damit fit für die Anforderungen der kommenden Jahre gemacht – und bleibt zugleich ein bedeutender regionaler Energielieferant.

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