Haardorf und Mühlham

Vier Tage von der Außenwelt abgeschnitten

Osterhofener Zeitung 08.06.2013

In Haardorf nimmt das Leben allmählich wieder seinen gewohnten Gang − Dorfgemeinschaft hilft sich selbst

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Haardorf.Der See an der Brücke über den Mühlbach ist fast verschwunden und die Straßenverbindung nach Mühlham damit wieder hergestellt. Vier Tage lang war Haardorf durch das Hochwasser quasi von der Außenwelt abgeschnitten und die Bewohner mussten sich selbst helfen,um ihre Häuser gegen die Fluten zu verbarrikadieren. Die Spuren des Kampfes in dieser Woche sind am Freitag noch überall zu sehen: Sandsäcke, Schlauchleitungen, Pumpen Männer, Frauen und Jugendliche räumen auf. Vor dem Feuerwehrgerätehaus hat der Mühlbach einen wahren Canyon aus der Zufahrt gespült, auf dem Weigl-Hof gegenüber werden die Gerätschaften gereinigt. Hier hatte sich die braune Flut durch die Wirtschaftsgebäude über den Innenhof ergossen, ehe es über die Hauptstraße ins freie Gelände schoss. Der modrige Geruch des Wassers liegt noch in der Luft, doch die Haardorfer sind guter Dinge orne am Mühlberg, der komplett vom Wasser umspült worden ist, sind die Häuser trocken geblieben. Noch am Donnerstag waren die Anwesen auch von der Rückseite her mit Sandsäcken gesichert worden. Die Anwohner sind vor allem froh, dass sie nun wieder duschen und aufs eigene WC gehen können: Weil durch den Rückstau die Kanalisation lahm gelegt worden war, mussten Dixie-Klos und Toilettenwägen organisiert werden.

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Als Feuerwehrkommandant ist Stadtrat Robert Kröll aucham Freitag noch in Uniform auf seinem Motorroller unterwegs, um in Haardorf nach dem Rechten zu sehen. Nach tagelangem Einsatz rund um die Uhr hat er in dieser Nacht endlich mal Schlaf gefunden, auch wenn es nur fünf Stunden waren. „Seit Montagabend sind wir Selbstversorger“, betont Kröll und berichtet, wie er mit Hilfe seines Stellvertreters Josef Weigl und seines Vorgängers Hans Weigl die Koordination der Schutzmaßnahmen übernommen hat. Nachdem aus Osterhofen nur anfangs Sandsäcke geliefert waren, organisierte das Trio leere Säcke und Lkw-Ladungen Kies. Etwa 15 000 Säcke haben die Frauen und Kinder im Dorf befüllt, mit Bulldog und Anhänger wurden diese dann an die einzelnen Anwesen verteilt. Mit dem Trinkwasser gab es zwar keine Probleme, doch aus Angst vor einem Stromausfall besorgte sich die Dorfgemeinschaft vorsorglich rund 25 Notstromaggregate. „Wir sind nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen“, zieht Robert Kröll angesichts der Katastropheamanderen Donauufer Bilanz. Lediglich die beiden Anwesen von Ferdinand und Rudolf Kaspar konnten trotz massivem Pumpeneinsatz nicht vor Schaden bewahrt werden: Hier wurden die Wohnungen im Untergeschoß geflutet. Relativ glimpflich, so Kröll, sei die Sache für andere gefährdete Objekte ausgegangen. In der Siedlung in Mühlham standen nur die Garagen im Wasser. „Nachdem die Brücke ein Meter unter Wasser stand, konnten wir nicht mehr durch“, erzählt der FF-Kommandant, „doch wir standen ständig in Kontakt.“ Beunruhigt war Robert Kröll in keiner Phase des Einsatzes, hatte er doch die Zusicherung von Stadtkommandant Manfred Ziegler, dass im Ernstfall Verstärkung nach Haardorf beordert wird. − sch

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