Quelle: Mediengruppe Attenkofer, Ausgabe Donau-Anzeiger (Osterhofen und Umgebung) vom Dienstag, 07.04.2026. Autor Rolf Schwinger
Osternacht, bewegende Kartage sowie lebendige Traditionen prägen das Gemeindeleben

Abt Marianus verehrt die entzündete Osterkerze. Bild: Schwinger
Von Rolf Schwinger
Haardorf. Zahlreiche Gläubige versammelten sich auf dem Kreuzberg, um beim Entzünden und Segnen des Osterfeuers die Osternacht zu beginnen. Abt Marianus Bieber OSB drückte fünf Nägel – als Symbol für die Wundmale Christi – in die Osterkerze, bevor diese am Osterfeuer entzündet wurde. Mit diesem Licht wurden anschließend die Kerzen der Gläubigen entzündet – ein sichtbares Zeichen dafür, das Osterlicht in das Dorf und in die Welt hinauszutragen.
Angeführt vom Kreuz setzte sich ein langer Kirchenzug in Bewegung und zog zur Pfarrkirche St. Martin. Beim Einzug wurde dreimal Halt gemacht, während Diakon Jürgen Zacher den Ruf „Lumen Christi“ – „Licht Christi“ – anstimmte. In der Kirche sang er anschließend das feierliche „Exsultet“, das große Osterlob. Die Lesungen übernahmen Janina Wagner und Siglinde Schwinger. In der zunächst nur von Kerzen erleuchteten Kirche trugen sie die Texte aus dem Alten Testament vor – die Schöpfungsgeschichte sowie den Durchzug durch das Rote Meer. Mit dem Gloria erstrahlte die Kirche schließlich im vollen Licht, und nach dem dreifach gesteigerten österlichen Halleluja wurde das Evangelium verkündet.
Die Symbole Licht und Wasser zogen sich durch den gesamten Gottesdienst. In seiner Predigt griff Abt Marianus dieses Bild auf: „Sie haben auf dem Kreuzberg das Osterlicht mit anderen geteilt, und das Licht ist immer mehr geworden.“ Während beim Teilen sonst oft weniger werde, sei es hier umgekehrt. „Unser Osterlicht hat sich langsam in der Kirche verteilt. Das göttliche Licht möge sich mit dem Menschlichen vermählen“, führte er weiter aus und lud dazu ein, dieses Licht bewusst in den Alltag mitzunehmen.
Durch das Eintauchen der Osterkerze segnete Abt Marianus das Wasser. Während die Gläubigen ihr Taufversprechen erneuerten, wurden sie mit Weihwasser besprengt. Anschließend begann die Eucharistiefeier. Mit dem feierlichen Segen und dem dreifachen österlichen Halleluja endete die Osternacht – erfüllt von Freude und Hoffnung, getragen von der Botschaft: Das Leben ist stärker als der Tod, die Liebe hat gesiegt. Für die musikalische Gestaltung sorgte der Kirchenchor unter der Leitung von Christian Weigl. Zum Abschluss segnete Abt Marianus die mitgebrachten Osterspeisen wie Osterlamm mit Auferstehungsfahne, gefärbte Eier, Salz, Pfeffer, Geräuchertes, Kren und Brot. Die Jugendlichen verteilten anschließend traditionell bunt gefärbte, gesegnete Ostereier und wünschten allen ein gesegnetes Osterfest.
Am Ostermontag wurde in der Pfarrkirche ein Kindergottesdienst gefeiert, den das Familiengottesdienstteam vorbereitet hatte. Pfarrer Christian Altmannsperger erklärte den Kindern in einem Zwiegespräch die Emmausgeschichte. Anschließend konnten die Kinder im Garten der „Alten Schule“ auf Ostereiersuche gehen, organisiert vom Pfarrgemeinderat. Für die Erwachsenen gab es passend dazu Eierlikör.
Die Tage von Gründonnerstag bis Ostern bilden in der christlichen Liturgie das sogenannte Triduum Sacrum – den heiligen Zeitraum von drei Tagen.
Triduum Sacrum – der heilige Zeitraum
Am Gründonnerstag erinnern sich die Gläubigen an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Nach dem Gloria schweigen Orgel und Glocken – ein Zeichen für das Leiden Christi. Im Volksmund heißt es, die Glocken „fliegen nach Rom“.
Am Ende des Gottesdienstes wurde das Allerheiligste von Diakon Jürgen Zacher aus dem Tabernakel entnommen und in einer Prozession zum Heiligen Grab auf den Kreuzberg getragen. Der Altar wurde anschließend abgeräumt – Kerzen gelöscht und das Altartuch entfernt. Die Herkunft des Namens „Gründonnerstag“ ist nicht eindeutig geklärt, eine Deutung führt ihn auf das mittelhochdeutsche Wort „greinen“ (weinen) zurück.
Die Aufgaben der verstummten Kirchenglocken übernahmen die Ministrantinnen und Ministranten mit ihren Ratschen. Bereits am Karfreitag zogen sie zum Taganläuten durch die Orte Haardorf, Mühlham und Niedermünchsdorf. Am Karsamstag gingen sie von Haus zu Haus und baten traditionell um ein „rotes Ei“.
Der Karfreitag selbst steht im Zeichen des Gedenkens an das Leiden und Sterben Jesu. Zur Todesstunde versammelten sich die Gläubigen in der Kreuzbergkirche zur Karfreitagsliturgie unter der Leitung von Diakon Jürgen Zacher. Die Passion, vorgetragen von Markus Knöckl und Jasmin Donnerbauer, die großen Fürbitten, die Kreuzverehrung und die Kommunionfeier prägten den Gottesdienst. Das zuvor mit einem violetten Tuch verhüllte Kreuz wurde enthüllt und von den Gläubigen mit einer Kniebeuge verehrt. Anschließend bestand die Möglichkeit, am Heiligen Grab zu verweilen, zu beten und persönliche Anliegen vorzutragen.